Netflix und Style, Interior Design Projekt von Schöner*INNEN in Berlin.
Wohnzimmer mit zwei Home-Office-Plätzen in einer Altbauwohnung, 22 Quadratmeter.
Möbelbudget 6.000 Euro. Projektdauer 3 Wochen. Gebuchtes Service-Paket: Interior Design Concept.
Designkonzept: Zwei Arbeitsplätze sollten im Wohnzimmer unterkommen, ohne dass der Raum
nach Büro aussieht. Umgesetzt in drei Entscheidungen, nämlich einem maßgefertigten Regal,
das beide Arbeitsplätze und die Flügeltür überspannt, zwei symmetrisch angeordneten
Schreibplätzen mit schmalen Platten und Holzstühlen statt Bürostühlen sowie einer Wandfarbe
in warmem Rosé mit Königsblau und Sonnengelb als Gegengewicht.
Der gelbe Ohrensessel, das weiße Sideboard und die Bücher stammen aus dem Bestand.
Schöner*INNEN ist ein Online-Interior-Design-Studio mit über 550 abgeschlossenen Projekten seit 2024.
Interior Design Projekt
Wohnzimmer mit Home-Office in Berlin:
Netflix & Style
Zwei Menschen, die beide zu Hause arbeiten, eine Altbauwohnung, ein Wohnzimmer. Die Aufgabe klang zunächst nach einem Kompromiss: Der Raum sollte zwei vollwertige Arbeitsplätze aufnehmen und trotzdem abends aussehen wie ein Wohnzimmer, in dem man einen Film schaut. Nicht wie ein Büro, in dem zufällig ein Sofa steht.
Gelöst hat das ein einziges Möbelstück: ein Regal, das beide Schreibplätze und die Flügeltür dazwischen in einem Zug überspannt. 22 m², 6.000 € Möbelbudget, drei Wochen von der Freigabe bis zum letzten eingeräumten Buch. Geplant wurde online, gefertigt vor Ort.
Vorher stand die Arbeit sichtbar im Raum. Ein langer schwarzer Tisch an der Wand, darauf zwei Monitore, darunter Kabel und ein Rollcontainer. Die Bücher lagerten in Stapeln auf dem Boden, teils unter der Tischplatte. In der Ecke türmten sich Klarsichtboxen neben dem Fernseher. Unordentlich war das nicht. Es war nur alles provisorisch, und Provisorien haben die Eigenschaft, nie aufzuhören.
Dazu kam die Substanz: eine Altbauwohnung mit hohen Decken, zwei bodentiefen Fenstern, einer Flügeltür in der Mitte der Längswand und weiß gestrichenen Wänden, die das viele Tageslicht eher schluckten als weitergaben. Die Wand mit der Tür war die einzige, die für Stauraum in Frage kam, und zugleich die schwierigste. Wer in einem Altbau Platz sucht, findet ihn selten am Boden, fast immer nur nach oben.
Der Lösungsweg
Drei Entscheidungen haben den Raum verwandelt
Zwei Arbeitsplätze verschwinden nicht dadurch, dass man sie kleiner macht. Sie verschwinden, wenn sie aussehen, als hätten sie schon immer dorthin gehört.
1
Ein Regal, das die Tür überspannt
Das Herzstück ist ein maßgefertigtes Wandregal, das wir selbst entworfen und von unserem Partner Hyller haben bauen lassen. Es läuft über beide Arbeitsplätze und über die Flügeltür hinweg, in einem durchgehenden Raster bis kurz unter die Decke. Dadurch wird aus drei Einzelsituationen eine Fläche. Die Rückwände sind in einem warmen Apricot lasiert, was den Büchern einen Hintergrund gibt, statt sie vor Weiß flimmern zu lassen. Die Bücherstapel vom Boden haben darin ihren Platz gefunden, und zwar alle.
2
Zwei Arbeitsplätze, spiegelgleich
Links und rechts der Tür sitzt je eine schmale dunkle Platte, gleich hoch, gleich tief, gleich beleuchtet mit einer Gelenkleuchte in Chrom. Symmetrie ist hier kein Selbstzweck: Zwei identische Plätze lesen sich als Einbau, zwei unterschiedliche als angesammeltes Mobiliar. Gesessen wird auf Holzstühlen mit Fellsitz. Der Bürostuhl ist fast immer das Möbelstück, das ein Wohnzimmer als Büro verrät.
3
Warmes Rosé statt Weiß, Blau und Gelb als Gegengewicht
Das Paar wünschte sich einen Hauch Florida, also Wärme ohne Kitsch. Die Wände tragen jetzt ein sehr helles Rosé, das im Berliner Nachmittagslicht kippt und die Wand nie flach wirken lässt. Dagegen stehen zwei kräftige Töne: ein königsblaues Ecksofa als ruhige Masse und der gelbe Ohrensessel, den das Paar schon besaß. Ein altrosa Teppich hält beides zusammen. Mehr Farben braucht der Raum nicht, weil die Bücher im Regal die bunteste Fläche ohnehin schon stellen.
“
Ein Home-Office wird nicht dadurch unsichtbar, dass man es hinter Türen versteckt. Es wird unsichtbar, wenn es dieselbe Sprache spricht wie der Rest des Raums.
Schöner*INNEN
Zum Gestaltungsansatz dieses Projekts
Die Transformation
Vorher
Guter Raum, gutes Licht, alles provisorisch.
Die Bücher lagerten auf dem Boden unter der Tischplatte. Genau dieser Stapel ist der Grund, warum später ein Regal bis unter die Decke geplant wurde.
Dieselbe Wand, die heute das Regal trägt. Rechts der Arbeitsplatz, links ein angelehnter Spiegel, dazwischen eine große weiße Fläche ohne Aufgabe.
Das Ergebnis
Nachher
Dieselben 22 Quadratmeter, jetzt mit Arbeitsplätzen, die man erst auf den zweiten Blick sieht.
Das Regal überspannt beide Arbeitsplätze und die Tür. Weil es durchläuft, liest der Raum eine Fläche statt drei Einzelstücke.
Der rechte Arbeitsplatz. Schmale Platte, Gelenkleuchte, ein Stuhl aus Holz und Fell. Nichts daran sieht nach Schreibtischprogramm aus.
Einräumen ist der Moment, in dem sich zeigt, ob die Fachhöhen stimmen. Auch die großen Bildbände stehen aufrecht.
Die Vorhänge laufen von der Decke bis zum Boden und ziehen die ohnehin hohen Fenster noch länger. Die Bogenlampe holt das Licht über das Sofa, ganz ohne neue Leitung.
Sideboard und Fernseher gab es vorher schon. Neu sind Porträt und Pflanze, die den Fernseher aus der Hauptrolle nehmen.
Zwischen den Fenstern blieb ein knapper Meter Wand. Ein Konsolentisch mit 25 cm Tiefe nutzt ihn, ohne zu verengen.
Der Wandton zeigt sich erst im Detail: Vor Rosé wirken Rostrot und Rauchglas warm, vor Weiß hätten dieselben Farben hart gewirkt.
Was dieses Projekt lehrt
5 Design-Prinzipien, die überall funktionieren
01
Ein Einbau schlägt drei gute Einzelmöbel
Sobald ein Element über mehrere Situationen durchläuft, hört das Auge auf, sie einzeln zu zählen. Die Wand wirkt jetzt ruhiger, obwohl mehr darauf steht.
02
Über Türen liegt der übersehene Stauraum
Die Fläche zwischen Türsturz und Decke ist in fast jedem Altbau ungenutzt. Sie eignet sich für alles, was selten gebraucht wird, und macht Regale erst wirklich groß.
03
Der Bürostuhl verrät das Home-Office
Platte, Lampe und Kabel lassen sich integrieren. Ein schwarzer Drehstuhl auf Rollen dagegen bleibt sichtbar Büro. Wer täglich lange sitzt, sollte ihn deshalb bewusst wählen.
04
Weiß ist keine neutrale Entscheidung
Eine weiße Wand ist keine leere Wand, sie ist eine kühle. Ein Ton mit etwas Rot darin nimmt dieselbe Fläche und macht sie warm, ohne dass der Raum kleiner wirkt.
05
Zwei Farben reichen als Gegengewicht
Königsblau und Sonnengelb tragen den ganzen Raum, weil sonst nichts um Aufmerksamkeit konkurriert. Die dritte Akzentfarbe ist meistens der Punkt, an dem ein Konzept unruhig wird.
Get the Look
Die Kernelemente des Konzepts
Sechs Elemente, mit denen sich der Look übertragen lässt.
Wandfarbe
Sehr helles Rosé mit warmem Unterton
Deckenhoch gestrichen, ohne abgesetzten Sockel
Stauraum
Maßregal über Arbeitsplätzen und Tür
Eigener Entwurf, gefertigt von Hyller, Rückwände in Apricot
Arbeitsplätze
Zwei schmale dunkle Platten, spiegelgleich
Je eine Gelenkleuchte in Chrom, Stühle aus Holz und Fell
Was kostet ein Wohnzimmer mit Home-Office wie dieses?
Geplant wurde es mit dem Interior Design Concept, ab 499 €. Für die Umsetzung lagen 6.000 € im Budget, der größte Einzelposten war das maßgefertigte Regal. Ohne Maßanfertigung wäre derselbe Raum deutlich günstiger machbar, dann allerdings mit sichtbarer Fuge zwischen Regal und Tür. Was ein Projekt insgesamt kostet, rechnen wir in unserem Beitrag zu Interior Design Kosten durch. Alle Pakete im Vergleich stehen auf der Paketübersicht, das Erstgespräch vorab ist kostenlos.
Wie bekomme ich zwei Arbeitsplätze in ein Wohnzimmer, ohne dass es nach Büro aussieht?
Der wirksamste Hebel ist Symmetrie: zwei gleich große, gleich hohe, gleich beleuchtete Plätze wirken wie geplantes Mobiliar, zwei unterschiedliche wirken wie Reste. Der zweite Hebel sind die Stühle, weil sie die Nutzung am deutlichsten verraten. Der dritte ist Kabelführung, denn nichts sieht so sehr nach Arbeit aus wie ein Kabelstrang. Weitere Wege dorthin haben wir im Artikel zum Home-Office einrichten gesammelt.
Lohnt sich ein Maßregal, oder tut es auch eines von der Stange?
Es lohnt sich genau dann, wenn das Regal über eine Störstelle hinweg muss, hier über die Flügeltür. Ein Regal von der Stange endet vor der Tür und beginnt dahinter neu, damit bleiben zwei Möbelstücke sichtbar. An einer glatten Wand erreichst Du mit einem Systemregal und einer passenden Rückwandfarbe fast dieselbe Wirkung, zu einem Bruchteil des Preises.
Funktioniert Rosé an der Wand auch in einer dunkleren Wohnung?
Ja, aber der Ton muss anders gewählt werden. In einem Raum mit wenig Tageslicht wirken sehr helle Rosétöne schnell blass und leicht grau. Dort funktioniert ein satterer Ton mit mehr Rotanteil besser, weil er auch bei Kunstlicht Farbe behält. Entscheidend ist die Himmelsrichtung: Nordlicht verschiebt jeden warmen Ton in Richtung kühl.
Drei Wochen für ein ganzes Wohnzimmer, geht das auch online?
Dieses Projekt lief so. Wir waren für die Planung nicht vor Ort, die Grundlage waren Fotos aus allen Ecken, ein Aufmaß inklusive Türsturz und Deckenhöhe sowie ein Videocall. Die drei Wochen sind die Umsetzung ab Freigabe, die Maßanfertigung lief parallel. Wie ein Projekt Schritt für Schritt abläuft, steht im Beitrag zum Ablauf eines Interior-Design-Projekts.
Bereit für Dein eigenes Wohnzimmer mit Arbeitsplatz?
Erzähl uns, wer in Deinem Wohnzimmer arbeitet und was abends davon übrig bleiben soll. Wir planen online, deutschlandweit, zum Festpreis. Das Erstgespräch ist kostenlos.