Interior Design Projekt

Wohn- und Esszimmer im Natural-Surf-Stil in Köln: Surfers Paradise

Am Anfang stand ein Raum, in dem nichts war. Keine Möbel, keine Farbe, kein Teppich, nur weiße Wände, ein alter Dielenboden und eine Fensterfront zum Garten. Solche Projekte gelten als Idealfall, weil alles möglich ist. In Wahrheit sind sie schwieriger als ein voller Raum, denn nichts gibt einen Maßstab vor, an dem man sich abarbeiten kann.

Entschieden wurde deshalb zuerst über Zonen und Farbe, danach über Möbel. Herausgekommen sind 30 m² mit zwei klar getrennten Bereichen, einer Wand in Petrol, alten Erbstücken und Surfbrettern an der Wand. 2.300 € Budget, zwei Wochen, und der größte Teil dessen, was den Raum trägt, gehörte der Familie längst.

Wohnzimmer im Natural-Surf-Stil in Köln von Schöner*INNEN: petrolfarbenes Samtsofa mit Recamiere, Couchtisch aus Obstkisten und Bilderrahmen mit Fotocollage
Ort Köln
Raumtyp Wohn- und Esszimmer mit Gartenzugang
Fläche 30 m²
Dauer 2 Wochen
Budget 2.300 €

Dreißig Quadratmeter, vollständig leer

Der Raum war unmöbliert, frisch weiß gestrichen und hatte außer dem gewachsenen Dielenboden keine gestalterische Vorgabe. Auf der einen Seite eine Tür in den Flur, auf der anderen eine Fensterfront mit Flügeltüren in den Garten, dazwischen 30 m², die zwei Funktionen aufnehmen sollten: essen und wohnen. Ein Röhrenheizkörper unter dem Fenster, sonst nichts.

Diese Ausgangslage klingt bequem und ist es selten. In einem leeren Raum gibt es keinen Fixpunkt, von dem aus man plant, und die Gefahr ist groß, dass am Ende zwei Möbelgruppen ohne Beziehung nebeneinanderstehen. Dazu kam ein knappes Budget von 2.300 €, das für ein Zimmer dieser Größe wenig ist, sowie ein Bestand aus Familienmöbeln, der viel Charakter mitbrachte und deshalb nicht als Ballast, sondern als Ausgangspunkt behandelt werden musste. Wie das in einer Altbauwohnung zusammengeht, entscheidet sich früh.

Drei Entscheidungen haben den Raum verwandelt

Zuerst wurde festgelegt, wo welcher Bereich liegt. Erst danach ging es um Möbel.

Eine Wand in Petrol trennt die Zonen

Nur die lange Wand am Esstisch trägt Farbe, ein tiefes Petrol mit Grünanteil. Der Wohnbereich bleibt weiß. Damit ist die Teilung des Raums entschieden, bevor ein einziges Möbelstück steht, und zwar zum Preis von zwei Eimern Farbe. Ein Raumteiler oder ein Regal hätten dasselbe geleistet, aber Fläche gekostet und die Sicht in den Garten verstellt. Farbe zoniert, ohne etwas wegzunehmen.

Das Sofa trägt exakt den Ton der Wand

Das Sofa ist die größte Neuanschaffung und in genau demselben Petrol bezogen wie die Esszimmerwand. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Verdopplung, tatsächlich ist es das Gegenteil: Weil die Farbe an zwei Stellen wiederkehrt, liest der Raum sie als ein Konzept statt als zwei Einzelentscheidungen. Das Sofa steht vor Weiß und behauptet sich, die Wand steht hinter Holz und bleibt ruhig.

Der Charakter kommt aus dem Bestand

Ein bemaltes Bauernsideboard, goldgerahmte Familienbilder, eine Klangschale, ein benutztes Skateboard, Surfposter: Nichts davon wurde für dieses Projekt gekauft. Neu sind Sofa, Esstisch mit Hairpin-Beinen und Schalenstühle, also die Stücke, die niemand geerbt hatte. Der Couchtisch besteht aus zusammengeschraubten Obstkisten. Diese Mischung ist der Grund, warum der Raum nicht nach Katalog aussieht, sondern nach den Menschen, die darin wohnen.

Ein Hobby wird zur Einrichtung, wenn echte Gegenstände an der Wand hängen. Gekaufte Deko zum selben Thema bleibt immer nur ein Hinweis darauf.

Schöner*INNEN

Zum Gestaltungsansatz dieses Projekts

Vorher

Ein Boden, zwei Türen, sonst nichts.

Vorher: leeres Zimmer mit weißen Wänden, altem Dielenboden und Altbautür zum Flur
Dieselbe Wand, an der später das Sofa steht. Die alte Flügeltür links blieb erhalten, sie ist auf dem großen Nachher-Bild wiederzuerkennen.
Vorher: leerer Raum mit Fensterfront und Flügeltüren zum Garten, Röhrenheizkörper und weißen Wänden
Die Fensterfront zum Garten. Weil sie die beste Stelle im Raum ist, steht heute der Esstisch davor und nicht das Sofa.

5 Design-Prinzipien, die überall funktionieren

Farbe zoniert günstiger als jedes Möbelstück

Zwei Bereiche in einem Raum lassen sich über eine farbige Wand trennen, ohne Fläche zu verlieren. Ein Regal als Raumteiler kostet Geld, Platz und Sicht.

Ein Farbton, zweimal gesetzt, wirkt wie Absicht

Kehrt eine Farbe an einer zweiten Stelle wieder, liest der Raum sie als Konzept. Einmal gesetzt bleibt sie ein Akzent, den man auch für Zufall halten könnte.

Ein leerer Raum ist die schwierigere Aufgabe

Ohne Bestand fehlt der Maßstab. Deshalb wird zuerst über Zonen und Wege entschieden, dann über Farbe und erst zuletzt über Möbel.

Erbstücke brauchen den richtigen Hintergrund

Dunkles altes Holz vor Weiß wirkt schnell schwer. Vor einer satten Farbe wird aus demselben Stück ein Einzelstück, das den Raum aufwertet.

Hobbys gehören als echte Objekte an die Wand

Ein benutztes Board mit Kratzern erzählt etwas. Ein gekauftes Deko-Set zum selben Thema erzählt nur, dass jemand ein Deko-Set gekauft hat.

Die Kernelemente des Konzepts

Sechs Elemente, mit denen sich der Look übertragen lässt.

Wandfarbe
Tiefes Petrol mit Grünanteil, matt
Nur auf der Wand der Esszone, der Rest bleibt weiß
Sofa
Samtsofa mit Recamiere im Ton der Wand
Steht frei im Raum, nicht an die Wand geschoben
Esstisch
Eichenplatte auf Hairpin-Beinen
Dünne Beine lassen den Dielenboden durchlaufen
Couchtisch
Zusammengeschraubte Obstkisten
Selbst gebaut, roh belassen, mit Stauraum darin
Bestand
Bemaltes Bauernsideboard, Goldrahmen, Klangschale
Alles Familienbesitz, vor die farbige Wand gestellt
Wandobjekte
Skateboard an Haltern, Surfmotive in Holzrahmen
Echte Gegenstände statt Deko zum Thema

Ähnliche Fragen zu diesem Projekt

Was kostet ein Wohnzimmer wie dieses?
Die Umsetzung lag bei 2.300 € für 30 m², was ungewöhnlich wenig ist. Möglich war das, weil Sideboard, Bilder und Dekoration aus dem Familienbesitz stammen und nur Sofa, Esstisch, Stühle und Farbe gekauft wurden. Geplant wurde mit dem Interior Design Concept, ab 499 €. Wie sich Kosten in einem Projekt verteilen, steht im Beitrag zu Interior Design Kosten. Das Erstgespräch vorab ist kostenlos.
Womit fange ich an, wenn ein Zimmer komplett leer ist?
Nicht mit dem Möbelkatalog. Zuerst wird festgelegt, welche Bereiche der Raum aufnehmen soll und wie man sich zwischen ihnen bewegt. Dann folgt die Frage, welche Stelle die beste ist, also meistens die am Fenster, und wer sie bekommt. Erst danach werden Farbe und Möbel entschieden. In diesem Projekt hat der Esstisch den Gartenblick bekommen, weil dort täglich mehr Zeit verbracht wird als auf dem Sofa.
Trägt eine dunkle Wandfarbe in einem Wohnraum mit zwei Zonen?
Ja, sofern sie nur auf einer Zone liegt. Eine einzelne satte Wand markiert einen Bereich und lässt den anderen hell. Wären alle Wände in Petrol gestrichen, verlöre der Raum genau die Trennung, um die es hier geht. Wichtig ist außerdem, dass die Farbe zu dem passt, was draußen zu sehen ist: Hier arbeitet das Petrol mit dem Grün des Gartens vor der Fensterfront.
Wie kombiniere ich alte Erbstücke mit neuen Möbeln?
Über den Hintergrund und über die Menge. Alte Stücke brauchen eine Fläche, vor der sie wirken, und daneben ruhige neue Möbel ohne eigenes Muster. Ein bemaltes Sideboard und ein schlichter Esstisch vertragen sich deshalb gut. Schwierig wird es erst, wenn mehrere kräftige Antiquitäten um dieselbe Aufmerksamkeit konkurrieren. Ein Blick auf die verschiedenen Einrichtungsstile hilft dabei, die gemeinsame Linie zu finden.
Wie bringe ich ein Hobby in die Einrichtung, ohne dass es kitschig wird?
Indem Du echte Gegenstände zeigst statt Motive davon. Ein Board, ein Instrument, eine Sammlung mit Gebrauchsspuren wirkt als Objekt. Kaufe dagegen Kissen, Schilder und Bilder zum selben Thema, entsteht schnell eine Themenwelt. Als Faustregel hat sich bewährt: ein großes echtes Objekt plus höchstens zwei bis drei ergänzende Bilder, mehr nicht.

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