true, Interior Design Projekt in Berlin, betreut von Sophia unter dittmar und friends.
Büro einer Executive-Search-Beratung für rund 20 Mitarbeitende, fertiggestellt 2020.
Gestaltet wurden offene Arbeitsfläche, Besprechungsräume und mehrere Loungezonen.
true ist eine global tätige Plattform für Talent Management und Executive Search.
Designkonzept: Weil in diesem Büro vertrauliche Gespräche über Karrieren geführt werden,
stand die Akustik am Anfang der Planung. Umgesetzt in drei Entscheidungen, nämlich einer
roh belassenen Hülle aus Sichtbeton, deren Härte über Akustikdecke, Wandpaneele und
Teppichboden aufgefangen wird, Glaswänden mit Rahmen aus Eiche statt aus Stahl sowie
Farbe ausschließlich in den Sitzmöbeln, wo Samt in Senfgelb, Rot und Grün die Zonen
voneinander unterscheidet.
Schöner*INNEN ist ein Online-Interior-Design-Studio mit über 550 abgeschlossenen Projekten seit 2024.
Interior Design Projekt
Büro einer Executive-Search-Beratung in Berlin:
true
true besetzt Führungspositionen. Was hier besprochen wird, entscheidet über Karrieren, und es wird selten öffentlich besprochen. Rund 20 Mitarbeitende arbeiten in diesem Büro, dazu kommen Kandidatinnen und Kandidaten, die zum Gespräch erscheinen und dabei zwei Dinge gleichzeitig beurteilen: die Beratung und den Ort, an dem sie stattfindet.
Der Raum dafür war ein Neubau mit Sichtbeton an Wänden und Decke, bodentiefen Fenstern und Blick auf Berliner Altbaufassaden. Eine schöne Hülle, aber eine harte: Beton reflektiert Schall. Für ein Büro, in dem Vertraulichkeit zum Geschäft gehört, war das die eigentliche Aufgabe. Fertiggestellt 2020.
OrtBerlin
ObjektBüro einer Executive-Search-Beratung
Fertigstellung2020
Team20 Mitarbeitende
BereicheArbeitsfläche, Besprechung, Lounge
BetreuungSophia unter dittmar+friends
Die Ausgangslage
Eine schöne Hülle, die jedes Wort zurückwirft
true ist international aufgestellt und arbeitet in der Besetzung von Führungspositionen, dazu kommen Beratung, Coaching und Assessment für Führungsteams. Das Berliner Büro liegt in einem Neubau, dessen Qualität sichtbar ist: Sichtbeton an Wänden und Decken, große Fensterflächen, Blick in die umliegenden Altbaustraßen. Genau diese Qualität war das Problem.
Beton, Glas und ein glatter Boden ergeben zusammen einen Raum, in dem jedes Wort zurückkommt. In einem Büro, in dem über Gehälter, Wechselabsichten und Kündigungen gesprochen wird, ist das keine Frage des Komforts, sondern der Diskretion. Hinzu kam die zweite Anforderung: Wer für Führungspositionen berät, kann Kandidatinnen und Kandidaten schlecht in einem Raum empfangen, der wie ein Callcenter klingt und aussieht. Was ein Büro darüber hinaus leisten muss, damit Menschen überhaupt gern hineinkommen, steht in unserem Beitrag zum Büro einrichten.
Der Lösungsweg
Drei Entscheidungen haben das Büro geprägt
Die Reihenfolge ist ungewöhnlich: Zuerst wurde über den Schall entschieden, dann über das Aussehen.
1
Akustik zuerst, Optik danach
Über den Arbeitsflächen hängt eine weiße Lochdecke, im Besprechungsraum nimmt eine großflächige Wandbespannung in Petrol die halbe Wandhöhe ein, und auf dem Boden liegt durchgehend Teppich statt Estrich oder Fliese. Drei Maßnahmen, die zusammen aus einem halligen Betonraum einen ruhigen machen. Für Räume, in denen konzentriert gearbeitet und vertraulich gesprochen wird, gibt DIN 18041 dazu die Zielwerte vor. Sichtbar ist davon fast nichts, hörbar alles.
2
Die Hülle bleibt roh, die Möbel werden weich
Der Beton wurde nicht verkleidet, nicht gestrichen, nicht kaschiert, nicht einmal für den Schriftzug: Das Logo klebt direkt auf der Wand, ohne Trägerplatte. Die Wärme kommt vollständig aus der Einrichtung, und zwar aus Materialien, die man anfassen kann. Samt auf den Sesseln, Eiche an den Tischen, Teak am Sideboard, Wolle auf dem Boden. Diese Aufgabenteilung ist auch wirtschaftlich die bessere: Eine Hülle zu verkleiden kostet Bauleistung, Möbel dagegen ziehen beim nächsten Umzug mit.
3
Glaswände mit Rahmen aus Eiche
Die Trennwände zwischen Arbeitsfläche und Loungezonen bestehen aus raumhohen Sprossenfenstern, deren Rahmen nicht aus schwarzem Stahl gefertigt sind, sondern aus heller Eiche. Der Unterschied wirkt klein und verändert den ganzen Raum: Stahl hätte den industriellen Charakter des Betons verdoppelt, Eiche setzt ihm etwas entgegen. Farbe kommt ausschließlich über die Sitzmöbel, jeder Bereich hat seine eigene, in Senfgelb, Rot oder Grün. So sind die Zonen unterscheidbar, ohne dass eine Wand gestrichen werden musste.
“
Vertraulichkeit ist keine Frage von Türen, sondern von Schall. Ein Raum, in dem man das Gespräch am Nebentisch versteht, verliert das Vertrauen, bevor jemand ein Wort über Inhalte verloren hat.
Schöner*INNEN
Zum Gestaltungsansatz dieses Projekts
Das Ergebnis
Das fertige Büro
Roher Beton, weiche Möbel, ein Raum, der leise ist.
Der große Tisch am Fenster ist Besprechungsplatz und Mittagstisch zugleich. Dahinter die Loungezone, rechts die Glaswand zur Arbeitsfläche.
Der Besprechungsraum. Die petrolfarbene Fläche an der Wand sieht nach Gestaltung aus, ist aber vor allem Akustik: Sie schluckt genau den Schall, den der Beton zurückwirft.
Die Glaswand trennt die Lounge von der Arbeitsfläche, ohne den Blick zu nehmen. Die Rahmen aus heller Eiche nehmen dem Beton die Härte.
Das rote Regal ist Stauraum und Raumteiler in einem. Weil es offen bleibt, trennt es die Bereiche, ohne dass Licht oder Blickachse verloren gehen.
Jeder Sessel hat eine andere Farbe und eine andere Form. Das ist der Unterschied zwischen einer Sitzgruppe und einem Wartebereich.
Über den Arbeitsplätzen hängt die Lochdecke, die den Schall aufnimmt. Die Tische sind höhenverstellbar, die Fensterseite bleibt frei von Schränken.
Aus der Lounge fällt der Blick durch die Sprossen bis in die Arbeitsfläche. Wer hier sitzt, ist getrennt, aber nicht abgeschnitten.
Abendlicht auf Sichtbeton. Genau dafür lohnt es sich, eine solche Wand roh zu lassen: Sie verändert sich über den Tag, eine gestrichene tut das nicht.
Ein Sideboard aus Teak, kein Aktenschrank. In einem Büro mit Publikumsverkehr entscheidet solches Mobiliar darüber, ob ein Raum nach Arbeit oder nach Aufenthalt aussieht.
Was dieses Projekt lehrt
5 Prinzipien für Büros mit vertraulichen Gesprächen
01
Akustik gehört an den Anfang der Planung
Nachträglich schallschluckende Flächen einzubauen ist teuer und sieht meistens danach aus. Wer Decke, eine Wandfläche und den Bodenbelag von Beginn an dafür einplant, bekommt beides: Ruhe und ein Bild, das stimmt.
02
Harte Hülle, weiche Möbel
Sichtbeton, Glas und Estrich brauchen ein Gegengewicht aus Textil und Holz. Diese Aufteilung ist günstiger als der umgekehrte Weg, denn Möbel ziehen beim Umzug mit, eine Verkleidung bleibt an der Wand.
03
Der Rahmen entscheidet, nicht das Glas
Dieselbe Glaswand wirkt mit schwarzem Stahlrahmen industriell und mit hellem Holzrahmen wohnlich. In Räumen, die ohnehin viel Beton zeigen, ist Holz die wirksamere Wahl.
04
Farbe in Sitzmöbeln macht Zonen ohne Wände
Wenn jede Sitzgruppe ihre eigene Farbe hat, werden Bereiche unterscheidbar, ohne dass gestrichen oder gebaut wird. Und die Zuordnung lässt sich ändern, indem man Möbel tauscht.
05
Ein Logo braucht keinen Träger
Direkt auf Sichtbeton geklebt wirkt ein Schriftzug selbstverständlicher als auf einer eigens gebauten Platte. Der Untergrund erledigt dabei die halbe Arbeit.
Get the Look
Die Kernelemente des Konzepts
Sechs Elemente, mit denen sich der Look übertragen lässt.
Akustik
Weiße Lochdecke über den Arbeitsplätzen
Dazu Teppichboden im ganzen Büro, kein Estrich sichtbar
Besprechung
Großflächige Wandbespannung in Petrol
Halbe Wandhöhe, schluckt den Schall der Betonflächen
Trennwände
Raumhohe Sprossenverglasung mit Eichenrahmen
Holz statt Stahl, dadurch wärmer als der übliche Loft-Look
Sitzen
Samtsessel in Senfgelb, Rot und Grün
Je Zone eine Farbe, Formen bewusst unterschiedlich
Tische
Massive Eichentische statt Konferenzmöbel
Dienen als Besprechungsplatz und als Mittagstisch
Stauraum
Rotes Regalsystem als Raumteiler, Teak-Sideboard
Offen statt geschlossen, damit Licht und Blick durchgehen
Häufige Fragen
Ähnliche Fragen zu diesem Projekt
Wie plant man ein Büro für vertrauliche Gespräche?
Über den Schall, nicht über Türen. Drei Flächen entscheiden: die Decke, eine große Wandfläche und der Boden. Sind alle drei hart, versteht man am Nachbartisch jedes Wort, egal wie viele Wände dazwischenstehen. Sinnvoll sind eine schallschluckende Decke, mindestens eine bespannte oder mit Paneelen belegte Wand je Raum sowie Teppich. DIN 18041 nennt dafür Zielwerte je nach Nutzung. Erst danach lohnt es sich, über abtrennbare Räume nachzudenken.
Wirkt Sichtbeton im Büro nicht kalt?
Allein ja, in Kombination nein. Beton ist eine Fläche ohne Eigenwärme, deshalb braucht er Gegengewicht aus Materialien, die man anfassen möchte: Samt, Wolle, massives Holz, Leder. In diesem Projekt trägt die Hülle den Charakter und die Einrichtung die Wärme. Der Vorteil gegenüber verkleideten Wänden ist, dass eine rohe Betonfläche im Tagesverlauf mit dem Licht arbeitet, statt immer gleich auszusehen.
Wie viele Besprechungsmöglichkeiten braucht ein Team von 20?
Mehr Situationen als Räume. Bewährt hat sich eine Mischung: ein geschlossener Raum für vertrauliche Termine, ein großer Tisch für Besprechungen und gemeinsames Mittagessen, dazu zwei bis drei Loungezonen für kurze Abstimmungen zu zweit. Wer stattdessen nur zwei formale Besprechungsräume plant, bekommt Wartelisten für den Raum und Gespräche, die im Gang stattfinden.
Was kostet ein Projekt wie dieses?
Für Geschäftskund*innen gibt es keine Pauschalpreise, weil sich Flächen, Nutzung und Umfang zu stark unterscheiden. Wir erstellen nach dem Erstgespräch ein individuelles Angebot, das den tatsächlichen Leistungsumfang abbildet. Das Erstgespräch ist kostenlos, alles Weitere steht auf unserer Seite für Geschäftskund*innen.
Wer hat dieses Projekt umgesetzt?
Dieses Projekt hat Sophia betreut, damals unter dittmar+friends. Es steht hier, weil dieselbe Handschrift heute in die Projekte von Schöner*INNEN einfließt. Uns ist wichtig, das transparent zu benennen, statt fremde Arbeit stillschweigend ins eigene Portfolio zu übernehmen. Die Fotos stammen von Stefan Wieland.
Erzählt uns, welche Gespräche bei Euch stattfinden und wie vertraulich sie sein müssen. Daraus ergibt sich mehr über den künftigen Raum als aus jeder Quadratmeterzahl. Wir planen deutschlandweit, jedes Angebot ist individuell, das Erstgespräch ist kostenlos.