Froindlichst, Interior Design Projekt von Schöner*INNEN in Berlin-Prenzlauer Berg.
Veganes Restaurant, Neueröffnung, rund 60 Sitzplätze.
Der Standort in der Immanuelkirchstraße hat am 6. August 2021 eröffnet.
Projektdauer: 3 Wochen Konzept und rund 14 Wochen Bau.
Leistungsumfang: Konzept, Möblierung, Bepflanzung und Koordination der Gewerke.
Designkonzept: Aus einer leeren Fläche wurde ein Gastraum in drei Entscheidungen, nämlich
petrolgrünen Wänden mit halbhoher Holzlamellen-Brüstung als robuster Zonierung,
Pflanzen als Baustoff statt als Dekoration inklusive einer Mooswand hinter einer
Stahl-Glas-Trennwand sowie Vintage-Fundstücken statt Neuware im gesamten Gastraum.
Schöner*INNEN ist ein Online-Interior-Design-Studio mit über 550 abgeschlossenen Projekten seit 2024.
Interior Design Projekt
Restaurant Design in Berlin-Prenzlauer Berg:
Froindlichst
Rund 60 Sitzplätze, drei Wochen Konzept, vierzehn Wochen Bau. Am 6. August 2021 hat das Froindlichst in der Immanuelkirchstraße eröffnet, als Berliner Ableger einer veganen Marke, die seit 2015 in Hamburg zu Hause ist. Vorher war die Fläche leer.
Genau das macht das Projekt für andere Gastronom*innen interessant. Es gab keinen Bestand und keine gewachsene Atmosphäre, an die sich anknüpfen ließ, sondern einen Rohbau, einen Eröffnungstermin und eine Marke, deren Versprechen aus einem Wort besteht: pflanzlich.
Froindlichst ist keine Neugründung, sondern eine Marke mit Vorgeschichte: 2015 in Hamburg gestartet, seit August 2021 auch in Berlin, betrieben als Franchise. Für die Gestaltung heißt das zweierlei: Der Laden muss erkennbar zur Marke gehören und darf trotzdem keine Kopie der Hamburger Häuser sein, weil ein Prenzlauer-Berg-Publikum eine Filiale sofort als solche liest.
Dazu kam der Rahmen, den jede Gastro-Eröffnung setzt und der mit Gestaltung erst einmal nichts zu tun hat: Der Eröffnungstermin steht, bevor die Planung beginnt, weil Personal eingestellt und Lieferanten gebunden sind. Jede Woche Verzug kostet Umsatz, den niemand nachholt. Die Aufgabe war deshalb nie nur, wie es aussehen soll, sondern in welcher Reihenfolge welches Gewerk arbeitet, damit am Ende Küche, Tresen, Elektrik, Möbel und Bepflanzung gleichzeitig fertig sind.
Der Lösungsweg
Drei Entscheidungen haben den Raum geprägt
Alle drei zahlen auf dasselbe ein: Der Raum soll das Markenversprechen zeigen, statt es an die Wand zu schreiben.
1
Petrolgrün bis auf Brüstungshöhe, darüber Holz
Die Wände tragen ein tiefes Petrolgrün, das im Kunstlicht warm bleibt und dem Grün der Pflanzen einen Hintergrund gibt, statt mit ihm zu konkurrieren. Auf Sitzhöhe läuft eine halbhohe Brüstung aus schmalen Holzlamellen durch den Gastraum. Sie ist kein Zierrat, sondern die Antwort auf ein Betriebsproblem: Genau auf dieser Höhe scheuern Stuhllehnen, Taschen und Jacken. Eine gestrichene Wand sieht dort nach einem Jahr abgenutzt aus, geölte Lamellen nicht.
2
Pflanzen sind Baustoff, nicht Dekoration
Bei einer rein pflanzlichen Küche wären ein paar Töpfe auf der Fensterbank zu wenig gewesen. Pflanzen übernehmen hier bauliche Aufgaben: Regalbretter über den Bänken tragen ganze Reihen, Ampeln hängen in der Raumtiefe und dämpfen den Schall, im Eingang klettert Efeu über die Fassade. Der stärkste Moment ist eine Mooswand hinter einer schwarzen Stahl-Glas-Trennwand. Moos braucht kein Licht und kein Wasser, hält aber optisch die Fläche einer ganzen Wand. Für einen Betrieb, in dem niemand Zeit zum Gießen hat, ist das der entscheidende Unterschied.
3
Gebrauchtes statt Neuware
Eine Apothekerkommode, eine alte Vitrine mit Sprossen, Holzkisten als Ablage, ein Wagenrad als Träger für das Logoschild: Der Gastraum ist voller Fundstücke, die vor diesem Projekt schon ein Leben hatten. Das ist günstiger als Neuware und der einzige Weg, in wenigen Wochen einen Raum entstehen zu lassen, der aussieht, als gäbe es ihn länger. Bei einer Marke mit Nachhaltigkeit im Kern ist es außerdem das schlüssigere Argument: Man sieht es, statt es zu behaupten.
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Eine unfassbar nette und kompetente Designerin! Jung, dynamisch und verdammt guter Stil! Sie hat das Froindlichst Berlin im Prenzlauer Berg eingerichtet, ich bin verdammt happy mit dem Ergebnis.
Sven Dörner
Geschäftsführer, Froindlichst Berlin
Das Ergebnis
Der fertige Gastraum
Rund 60 Plätze, verteilt auf Tafel, Zweiertische und Bänke.
Die lange Tafel ist der gesellige Teil des Gastraums. Dahinter das Logo auf einem Wagenrad, das als Halterung dient und gleichzeitig die Wand füllt.
Die Mooswand hinter der Stahl-Glas-Trennwand. Sie braucht weder Licht noch Wasser und trägt trotzdem die Wirkung einer ganzen begrünten Wand.
Statt Deckenleuchten hängen Trauben aus Glühbirnen tief über den Tischen. Licht auf Tischhöhe macht den Raum abends kleiner und wärmer, ohne dass gedimmt werden muss.
Pflanzen in dieser Dichte sind eine Betriebsentscheidung. Ausgewählt wurde nach Pflegeaufwand, nicht nach Aussehen: Arten, die auch eine vergessene Woche überstehen.
Der Kartenhalter ist ein alter Setzkasten. Solche Fundstücke übernehmen Aufgaben, für die man sonst Neuware bestellt.
Der Eingang macht die Ansage, bevor jemand die Karte sieht: Efeu wächst über die Fassade, der Blick fällt direkt auf den Tresen.Der Tresen mit unbesäumter Holzkante. Darüber hängt die größte Leuchtentraube des Hauses, dahinter das Logo auf dem Wagenrad.Hocker am Tresen für Gäste, die kurz bleiben, Nischen im Hintergrund für die, die länger sitzen. Zwei Aufenthaltsdauern in einem Raum.Das Wandbild im hinteren Bereich nimmt die Farben des Konzepts auf. Es ersetzt Bilderrahmen, die in einem Gastraum ohnehin schief hängen würden.Die Stahl-Glas-Trennwand teilt, ohne zu trennen. Auf der Bank davor stehen Kräuter, die in der Küche tatsächlich verwendet werden.
Was dieses Projekt lehrt
5 Prinzipien für gastronomische Räume
01
Plane die Höhe, auf der es schmutzig wird
In jedem Gastraum gibt es ein Band zwischen Sitz- und Tischhöhe, an dem Stühle, Taschen und Jacken scheuern. Wer dort ein robustes Material vorsieht, spart den ersten Neuanstrich nach zwölf Monaten.
02
Pflanzen nach Pflegeaufwand auswählen, nicht nach Bild
Im laufenden Betrieb gießt niemand nach Plan. Robuste Arten, Moos und wenige Standorte mit gutem Licht halten das Konzept am Leben, eine schöne Auswahl ohne Pflegekonzept nicht.
03
Licht auf Tischhöhe schlägt Deckenlicht
Tief hängende Leuchten zeichnen Inseln und lassen den Raum abends kleiner wirken. Flächige Deckenbeleuchtung erzeugt in denselben Räumen Kantinenstimmung, egal wie warm die Farbtemperatur ist.
04
Gebrauchtes kauft Zeit, nicht nur Charakter
Fundstücke haben keine Lieferzeit. In einem Projekt, dessen Eröffnungstermin vor der Planung feststeht, ist das genauso wertvoll wie ihre Patina.
05
Eine Wand gehört den Gästen
Es lohnt sich, eine Stelle bewusst so zu gestalten, dass sie fotografiert wird: gutes Licht, Logo im Bild, sitzende Perspektive. Diese Wand arbeitet danach dauerhaft im Marketing mit.
Get the Look
Die Kernelemente des Konzepts
Sechs Elemente, mit denen sich der Look übertragen lässt.
Wandfarbe
Tiefes Petrolgrün, matt
Bleibt im Kunstlicht warm und trägt das Grün der Pflanzen
Wandschutz
Halbhohe Brüstung aus Holzlamellen
Auf Stuhllehnenhöhe, geölt statt lackiert
Begrünung
Mooswand hinter Stahl-Glas-Trennwand
Ohne Licht- und Wasserbedarf, als Raumteiler nutzbar
Licht
Trauben aus Glühbirnen an Textilkabeln
Tief über den Tischen, in unterschiedlichen Höhen gehängt
Möbel
Massivholztische, dunkle Schalenstühle
Dazu eine lange Tafel für Gruppen und Laufkundschaft
Fundstücke
Apothekerkommode, Sprossenvitrine, Setzkästen
Gebraucht gekauft, ohne Lieferzeit, mit Patina
Häufige Fragen
Ähnliche Fragen zu diesem Projekt
Wie lange dauert der Innenausbau eines Restaurants?
Hier waren es drei Wochen für das Konzept und rund vierzehn Wochen für den Bau. Diese Aufteilung ist typisch: Die Gestaltung ist der kürzere Teil, den Takt geben Handwerk und Lieferzeiten vor. Wichtig ist, dass das Konzept früh genug steht, damit Küchenbau, Elektrik und Möbelbestellung parallel laufen können. Wer erst plant, wenn der Rohbau fertig ist, verliert mehrere Wochen, die im Terminplan nirgends aufholbar sind.
Wie viele Pflanzen verträgt ein Gastraum im täglichen Betrieb?
Mehr, als die meisten annehmen, aber nur bei der richtigen Auswahl. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern der Pflegeaufwand pro Standort: Arten, die eine vergessene Woche überstehen, Ampeln in erreichbarer Höhe, und für schwierige Ecken Moos, das weder Licht noch Wasser braucht. Wir legen im Konzept fest, welche Pflanze wohin kommt und wer sie gießt. Ohne diesen Teil sieht ein begrüntes Lokal nach sechs Monaten traurig aus.
Warum so viele gebrauchte Möbel in einem neuen Restaurant?
Aus drei Gründen. Sie sind günstiger, sie haben keine Lieferzeit, und sie geben einem Raum am Eröffnungstag eine Geschichte, die er sonst erst in Jahren bekommt. Bei einer Marke, die pflanzlich und nachhaltig auftritt, kommt ein vierter dazu: Wiederverwendung ist sichtbar und damit glaubwürdiger als jeder Hinweis auf der Karte. Wie das in anderen Räumen aussieht, zeigen wir im Beitrag zu Natural und Biophilic Design.
Was kostet ein Projekt wie dieses?
Für Geschäftskund*innen gibt es keine Pauschalpreise, weil sich Flächen, Nutzung und Umfang zu stark unterscheiden. Wir erstellen nach dem Erstgespräch ein individuelles Angebot, das den tatsächlichen Leistungsumfang abbildet. In diesem Projekt umfasste er Konzept, Möblierung, Bepflanzung und die Koordination der Gewerke. Das Erstgespräch ist kostenlos, alles Weitere steht auf unserer Seite für Geschäftskund*innen.
Übernehmt Ihr auch die Koordination der Gewerke?
In diesem Projekt ja, und bei Gastronomie ist das meistens sinnvoll. Küchenbau, Elektrik, Maler, Tischlerei und Bepflanzung müssen in einer Reihenfolge arbeiten, die sich aus dem Entwurf ergibt. Wer diese Abstimmung übernimmt, entscheidet auch darüber, ob der Eröffnungstermin hält. Wie ein Projekt bei uns abläuft, steht im Beitrag zum Ablauf eines Interior-Design-Projekts.
Erzählt uns, welche Fläche Ihr übernehmt und wann eröffnet werden soll. Je früher wir dabei sind, desto mehr Entscheidungen lassen sich noch treffen, statt sie vom Terminplan diktieren zu lassen. Das Erstgespräch ist kostenlos.