Sleeping Like a Samurai, Interior Design Projekt von Schöner*INNEN in Berlin-Friedrichshain.
Schlafzimmer im Japandi-Stil in einem Berliner Altbau, 12 Quadratmeter.
Möbelbudget 800 Euro. Projektdauer 1 Woche. Gebuchtes Service-Paket: Interior Beratungsstunde.
Designkonzept: Japandi auf kleiner Fläche durch drei Entscheidungen, nämlich eine Wand im
Color-Wash-Verfahren statt weißer Wandfarbe, ein vorhandener Perserteppich als Wandbehang
statt als Bodenteppich sowie ein niedriges Bett, dessen Sockel den Stauraum ersetzt.
Japandi verbindet japanische Reduktion mit skandinavischer Funktionalität.
Schöner*INNEN ist ein Online-Interior-Design-Studio mit über 550 abgeschlossenen Projekten seit 2020.
Interior Design Projekt
Schlafzimmer im Japandi-Stil:
Sleeping Like a Samurai
Zwölf Quadratmeter in einem Friedrichshainer Altbau, ein schmaler Schlauch mit einem Rundbogenfenster am Ende. Sonja hatte darin eine Matratze auf einem Gestell, ein offenes Regal voller Kleidung und drei weiße Wände. Nichts davon war falsch. Es war nur nichts davon entschieden.
Gebucht war eine einzelne Beratungsstunde, 60 Minuten im Video-Call. Kein 3D-Konzept, kein Moodboard. Was danach passierte, kostete 800 € und dauerte eine Woche: eine Wand, ein Bett und ein Teppich, der seinen Platz wechselte. Seitdem ist es ein Japandi-Schlafzimmer.
Ein schmaler Altbauraum mit gutem Licht und einem Rundbogenfenster: das ist eine bessere Ausgangslage, als sie klingt. Nur stand darin eine Matratze auf einem niedrigen Gestell, davor ein Perserläufer, daneben ein angelehnter Spiegel. Die weißen Wände hielten sich vollständig heraus. In einem großen Zimmer fällt das kaum auf. Auf 12 m² sieht man jede Wand die ganze Zeit, und eine weiße Wand hat nichts zu erzählen.
Das eigentliche Problem stand an der Längsseite: ein offenes Regal, das die gesamte Garderobe trug. Plastikboxen, Stapel, Schuhkartons, eine Reisetasche. Funktional gelöst, optisch der lauteste Gegenstand im Raum. Wer auf 12 m² schlafen und seine Kleidung unterbringen muss, kann das Regal nicht wegdiskutieren. Es musste nur aufhören, das Erste zu sein, was man sieht. Das ganze Budget dafür: 800 €.
Der Lösungsweg
Drei Entscheidungen haben den Raum verwandelt
Aus einer Beratungsstunde kamen drei Festlegungen. Zwei davon kosteten Material, eine kostete nur eine andere Sichtweise auf etwas, das längst im Raum lag.
1
Color-Wash statt weißer Wandfarbe
Die Wände wurden nicht gestrichen, sondern gewischt: Pigment in mehreren Schichten, mit sichtbarer Bewegung. Das Ergebnis ist ein warmes Greige, das je nach Tageszeit anders aussieht. Genau das braucht ein kleiner Raum, in dem man immer alle Flächen gleichzeitig sieht. Eine glatte Wandfarbe wäre auf 12 m² eine Fläche geblieben. Dieselbe Technik hat auch Natural Dreams getragen.
2
Der Teppich wandert an die Wand
Auf den Vorher-Bildern liegt ein kleiner Perserteppich vor dem Bett, wo er zwischen Dielen und Bettkante untergeht. Jetzt hängt er als Wandbehang neben dem Kleiderregal. Dasselbe Objekt, ein Meter höher, und plötzlich ist es das Bild im Raum. Textil an der Wand ist außerdem die japanische Hälfte von Japandi: Es dämpft, es wärmt, und es braucht keinen Quadratzentimeter Bodenfläche.
3
Ein niedriges Bett, das Stauraum ist
Das neue Bett sitzt tief und schließt unten mit einem Sockel ab, in dem verschwindet, was vorher in Plastikboxen im Regal lag. Niedrige Möbel sind ein Japandi-Merkmal, aber hier sind sie vor allem Rechnerei: Je tiefer die Bettkante, desto mehr Wand bleibt sichtbar, und desto höher wirkt der Raum. Auf 12 m² ist das der Unterschied zwischen Zimmer und Kabine.
“
Kleine Räume verzeihen keine halben Entscheidungen. Dafür braucht es in ihnen auch nur wenige, bis alles kippt.
Schöner*INNEN
Zum Gestaltungsansatz dieses Projekts
Die Transformation
Vorher
Guter Raum, gutes Licht, keine einzige Entscheidung.
Vorher
Der Perserteppich lag noch vor dem Bett, wo er zwischen Dielenboden und Bettkante kaum zu sehen war.
Vorher
Das offene Regal trug die ganze Garderobe. Funktional gelöst, aber der lauteste Gegenstand im Zimmer.
Das Ergebnis
Nachher
Dieselben 12 Quadratmeter, eine Woche später.
Das neue Bett sitzt tief und schließt unten mit einem Sockel ab. Rost und Ocker bringen die warme Hälfte des Japandi-Farbschemas in den Raum.
Derselbe Teppich wie auf dem ersten Vorher-Bild, jetzt an der Wand. Daneben dasselbe Regal, nur gefaltet statt gestapelt und mit Filzkörben statt Plastikboxen.
Der Nachttisch ist ein Drahtkorb mit Deckel. Er nimmt kaum Fläche weg und lässt den Dielenboden unter sich durchlaufen.
Am Fenster steht das einzige Grün des Raumes. Die Kleiderpuppe blieb aus dem Bestand und trägt jetzt die Farbe der Bettwäsche.
Was dieses Projekt lehrt
5 Design-Prinzipien, die überall funktionieren
01
Je kleiner der Raum, desto wichtiger die Wand
Auf 12 m² siehst Du jede Fläche gleichzeitig. Eine Wand mit Struktur arbeitet dort härter als jedes zusätzliche Möbelstück.
02
Ein Objekt kann den Ort wechseln
Bevor Du etwas Neues kaufst, prüfe, ob etwas Vorhandenes woanders besser wirkt. Der Teppich hat den Raum verändert, ohne einen Euro zu kosten.
03
Stauraum gehört unter das Bett
Alles, was im offenen Regal liegt, ist sichtbar. Ein Bettsockel nimmt dieselbe Menge auf und zeigt nichts davon.
04
Eine harte Farbe reicht
Leiter, Spiegelrahmen, Wandleuchte und Beistelltisch sind alle schwarz. Ein einziger Kontrastton ordnet einen Raum, drei zerlegen ihn.
05
Ordnung ist eine Materialfrage
Dieselbe Kleidung im selben Regal wirkt völlig anders, sobald Plastikboxen durch Filzkörbe ersetzt sind. Das ist kein Aufräumen, das ist Gestaltung.
Get the Look
Die Kernelemente des Konzepts
Sechs Elemente, mit denen sich der Look übertragen lässt.
Was kostet ein Projekt wie Sleeping Like a Samurai?
Gebucht war die Interior Beratungsstunde für 119 €, also 60 Minuten Video-Call mit Raum- und Bestandsanalyse. Dazu kamen 800 € für Bett, Wandfarbe, Textilien und Körbe. Wenn Du zusätzlich ein 2D- oder 3D-Konzept möchtest, findest Du die größeren Pakete auf der Paketübersicht. Das Erstgespräch vorab ist immer kostenlos und nicht mit der Beratungsstunde zu verwechseln.
Reicht eine einzelne Beratungsstunde für ein ganzes Zimmer?
Bei einem Raum dieser Größe oft ja. In 60 Minuten lässt sich klären, was bleibt, was geht und welche zwei oder drei Eingriffe die größte Wirkung haben. Was danach kommt, setzt Du selbst um. Sobald mehrere Räume zusammenhängen, Grundrisse geändert werden oder Du eine Visualisierung brauchst, bevor Du kaufst, ist ein größeres Paket der ehrlichere Weg.
Was genau ist Japandi?
Japandi verbindet japanische Reduktion mit skandinavischer Funktionalität. Aus Japan kommen niedrige Möbel, natürliche Materialien und die Bereitschaft, Flächen leer zu lassen. Aus Skandinavien kommen helle Töne, Alltagstauglichkeit und sichtbare Handwerklichkeit. Wie sich der Stil zu den anderen verhält, zeigt unser Überblick der Einrichtungsstile.
Kann ich einen Teppich einfach an die Wand hängen?
Ja, und es lohnt sich vor allem bei kleinen, feingeknüpften Teppichen, die am Boden untergehen. Wichtig ist eine Aufhängung, die das Gewicht über die ganze Breite verteilt, etwa eine Leiste mit Klettband, damit sich die Kante nicht wellt. Ein Textil an der Wand dämpft außerdem den Nachhall, was in einem Altbau mit Dielen und hohen Decken deutlich hörbar ist.
Machen dunklere Wände ein kleines Zimmer nicht noch kleiner?
Nicht, wenn der Ton warm und der Auftrag lebendig ist. Beim Color-Wash bleibt die Fläche innerhalb eines Tons in Bewegung, dadurch liest das Auge Tiefe statt einer Begrenzung. Kritisch wird es erst bei kühlen, flach gestrichenen Dunkeltönen ohne Tageslicht. Hier hat der Raum ein großes Fenster, das die Wand trägt.